Startseite Service PPP - Ein Jahr in die USA

Parlamentarisches-Patenschafts-Programm: 1 Jahr USA

Bundestag bringt junge Leute in die Vereinigten Staaten
Parlamentarisches-Patenschafts-Programm
Für ein Jahr in die USA? Viele junge Menschen träumen davon, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und Zeit im Ausland zu verbringen. Manchmal fehlt der Mut, häufiger aber das Geld für ein solches Abenteuer. Deshalb: Bewerben Sie sich für das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) und werden Sie Stipendiat des Deutschen Bundestages!               
 
Anlässlich des 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung nach Amerika wurde das Parlamentarische Patenschafts-Programm 1983 gemeinsam von Kongress und Bundestag ins Leben gerufen. Das PPP ist ein auf Gegenseitigkeit angelegtes Jugendaustauschprogramm: Junge Deutsche verbringen ein Jahr in den USA und junge Amerikaner ein Jahr in Deutschland. Schülerinnen und Schüler leben in Gastfamilien und besuchen eine örtliche Oberschule. Junge Berufstätige absolvieren ein Praktikum in einem Betrieb und nehmen am Unterricht an einer Berufsschule teil. Durch diesen Austausch soll den Stipendiaten die Bedeutung freundschaftlicher Zusammenarbeit, die auf gemeinsamen politischen und kulturellen Wertvorstellungen beruht, vermittelt werden.

Bundestagsabgeordnete übernehmen bei diesem Programm die Patenschaft für die Jugendlichen. Im Wahlkreis Gifhorn - Peine nimmt Ingrid Pahlmann an dem Programm teil. Die Entscheidung, ob die/der Abgeordnete einen/eine Schüler/in oder junge/n Berufstätige/n nominieren kann, fällt jeweils am Ende des Jahres für eine Teilnahme im darauffolgenden Jahr.     

Bewerben können sich Schüler/innen, die am Ausreisetag, mindestens 15 und höchstens 17 Jahre alt sind. Junge Berufstätige müssen bis zur Ausreise die Berufsausbildung abgeschlossen haben und dürfen zu diesem Zeitpunkt höchstens 22 Jahre alt sein.  

Die Bewerbungsfrist für das Programmjahr 2016/2017 ist leider abgelaufen, für das Jahr 2017/2018 können Bewerbungen voraussichtlich ab Mai 2016 eingereicht werden. Es werden auch immer Gastfamilien im Wahlkreis gesucht.
 
Interesse? Dann nehmen Sie Kontakt mit meinem Bundestagsbüro auf oder informieren Sie sich direkt unter www.bundestag.de/ppp.


 

10. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Für mich ist es unvorstellbar, dass jetzt wirklich schon Mai ist. Seit über neun Monaten lebe ich hier mit meiner Gastfamilie zusammen und mein amerikanischer Alltag ist für mich schon selbstverständlich geworden.


Am 30. April war es dann endlich so weit: nicht nur ich, sondern der gesamte 11. Und 12. Jahrgang, hat sich auf Prom vorbereitet. Im Grunde genommen ist der “Prom” nichts anderes als eine elegante Tanzveranstaltung, die zum Ende des Schuljahres stattfindet. Für viele Schülerinnen und Schüler fangen die Vorbereitungen aber schon Monate früher an. Natürlich möchte jedes Mädchen ein wunderschönes Kleid haben und zusammen mit dem Prom-Ticket, den Schuhen, und einem kleinen Ansteckblumensträußchen werden dafür dann auch gerne einige hundert Dollar ausgegeben. Die Wochen davor drehte sich fast jedes Gespräch um Prom: “Hast du ein Foto von deinem Kleid?” oder auch “Wo lässt du dir die Haare machen?”. Ich war super froh, dass zwei Freundinnen angeboten haben am Freitagabend zu mir nach Hause zu kommen und mir Lockenwickler in die Haare einzudrehen. Darüber habe ich mich riesig gefreut, denn so musste ich mir nicht den Stress machen einen Frisörtermin zu vereinbaren. Meine Gastmutter hat mich am Abend riesig überrascht. Passend zu meinem Kleid hat sie mir nämlich ein kleines Blumensträußchen ausgesucht und geschenkt. Weil ich so etwas noch nie vorher um mein Handgelenk getragen habe, war ich riesig froh, dass mir eine kleine Anleitung gezeigt hat, wie ich es ummachen musste.

Am Samstagmorgen liefen dann noch die letzten Vorbereitungen und gegen Mittag haben mich Tyler und Sally abgeholt. Normalerweise ist es eine Tradition Promfotos draußen aufzunehmen, leider spielte aber dieses Jahr das Wetter nicht mit, denn es regnete in Strömen. Stattdessen haben wir uns drinnen getroffen und dort Fotos aufgenommen. PPP-Lilli beim Prom-Nach ungefähr einer Stunde sind wir alle zur Schule gefahren und dort fing dann der “Grand March” an. Hierbei laufen die Paare über eine Bühne, so dass vor allem die Eltern Fotos machen können. Da ich aber kein Date hatte und trotzdem gerne über die Bühne laufen wollte, haben eine Freundin und ich uns entschlossen einfach zusammen zu gehen. Passend zu unserem Prom-Motto “Old Hollywood” war ein roter Teppich ausgerollt und auch all die anderen Dekorationen haben mich sehr an Hollywood erinnert. Zu Abend gegessen haben wir in einem schicken Restaurant und es gab ein großes Buffet. Ich konnte gar nicht alles probieren, so viele verschiedene Gerichte gab es dort. Um 20 Uhr fing dann der DJ an die ersten Songs zu spielen und alle fingen an zu tanzen. In den langen Kleidern wurde es schnell sehr warm, aber Eiscreme und kaltes Wasser haben da ein bisschen für Abkühlung gesorgt.

Nach drei Stunden voll mit Musik und Tanz, ging es zum “Post-Prom”. Hierfür hat das Prom-Komitee “Dave&Buster’s” ausgesucht. In dieser “Sport-Bar” haben wir alle eine Karte mit Guthaben zur Verfügung gestellt bekommen, die wir für die verschiedenen Spiele dort benutzen konnten. Als allererstes konnten wir aber unsere normale Alltagskleidung wieder anziehen und auch wenn es sehr viel Spaß gemacht hat, sich in dem Kleid wie in einem Hollywood-Film zu fühlen, waren wir doch alle froh einfach nur T-Shirts und Jeans zu tragen. Die nächsten Stunden haben wir damit verbracht Videospiele zu spielen, Simulationen mitzuerleben und Fast Food zu essen – nach all dem Tanzen waren nämlich alle trotz des guten Abendessens wieder hungrig. Bei den ganzen Spielen kann ich mich gar nicht für mein Lieblingsspiel entscheiden, aber definitiv hatte ich die ganze Zeit sehr viel Spaß. In einer „Photobooth“ haben wir auch noch lustige Fotos gemacht, die dann sofort für uns ausgedruckt wurden. Obwohl wir alle rund um die Uhr beschäftigt waren, fing dann einige Stunden nach Mitternacht doch die Müdigkeit an einzusetzen. Gegen 3 Uhr morgens sind wir zurück an der Schule angekommen und sobald ich zu Hause war, bin ich auch todmüde ins Bett gefallen und habe den nächsten Morgen sehr lange geschlafen.


In der Schule habe ich mich vor kurzem mit einer Kunstlehrerin, die während ihres Studiums für ein Auslandssemester in Deutschland war, auf Deutsch unterhalten. Es war ein bisschen ungewohnt Deutsch zu sprechen und es war sehr lustig wie alle anderen im Kunstraum uns beide angestarrt haben.
An meiner High School hier ist es üblich T-Shirts in der Schule zu verkaufen, die meistens entweder den Schulsportteams helfen ihre Ausrüstung zu verbessern und zu erweitern, aber gleichzeitig werden auch oft T-Shirts verkauft, deren Einnahmen gespendet werden. Aus diesem Grund haben die Fußballteams (und damit auch ich) im Mai T-Shirts verkauft, die den Bau eines neuen Spielplatzes fördern sollen. Außerdem haben wir uns alle an einem Abend getroffen und “Puppy Chow”, einen typischen Amerikanischen Snack, zubereitet, der dann während unserer Spiele am Wochenende verkauft wurde. Insgesamt haben wir ziemlich viel Geld einnehmen können und hoffentlich hilft das den neuen Spielplatz zu bauen. Mittlerweile ist die Fußballsaison leider schon zu Ende und war damit auch deutlich kürzer als die Basketballsaison. Um den Saisonabschluss zu feiern, gab es nach unserem letzten Spiel ein “Cookout”, eine Mischung aus Grillen und Picknick. Gerne hätte ich noch ein bisschen länger Fußball gespielt, aber daran kann ich leider nichts ändern.PPP -Lilli 2. Zoobesuch-
In meinem Sportunterricht “Team Sports” haben wir eine Woche lang Handball gespielt. Es war ein bisschen schade, dass meine High School keine richtigen Handbälle hatte, aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Obwohl es in den USA sehr viele verschiedene Sportarten gibt, hat an meiner Schule noch nie jemand von Handball gehört. Ich habe deshalb meistens versucht es anhand anderer Sportarten, wie Fußball und Basketball, zu erklären und das hat gut geklappt.


Den “Mother’s Day” haben wir zusammen mit meinen Gastgroßeltern und auch meinen Gasttanten, -onkel und –cousins und –cousinen gefeiert. Ich war mir überhaupt nicht bewusst, dass der Muttertag hier in den USA, verglichen mit Deutschland, relativ groß gefeiert wird. Am Sonntag haben wir meine Gastoma in Madison besucht, wo wir dann auch die andere Seite der Familie getroffen haben. Das Wetter war so schön, dass wir lange einfach nur draußen Frisbee gespielt haben und überhaupt nicht viel Zeit im Haus verbracht haben.
Neulich hatte ich schulfrei und aus diesem Grund habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir sind frühstücken gegangen und haben in einem Café sehr leckere Bagel gegessen. Den Rest des Tages haben wir mit einem Zoobesuch verbracht. Auch wenn ich erst vor kurzem mit meiner Gastfamilie da war, habe ich viel Neues entdecken können. Das letzte Mal habe ich nämlich noch nicht alles gesehen und auch wegen des kühleren Wetters waren zu dem Zeitpunkt noch nicht alle Tiere draußen. Mittlerweile habe ich nun schon einige Amerikanische Gerichte ausprobieren können. So nämlich auch am Freitag nach dem Zoobesuch als ich in einem Restaurant “Grilled Cheese” probiert habe.
Mittlerweile ist es in Wisconsin sehr warm geworden und am Wochenende hatten meine Gastgeschwister und ich sogar schon die erste Wasserballonschlacht.  Ich freue mich sehr auf meinen letzten Monat hier in den USA und alles, was noch vor mir liegt!

 

9. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Mittlerweile liegt Ostern schon fast wieder einen ganzen Monat zurück, aber ich kann mich noch sehr gut an mein Amerikanisches Osterfest erinnern. Vorher mussten natürlich noch so einige Vorbereitungen getroffen werden, wie zum Beispiel das Färben der Eier oder die Osterkeksedekorierung. Am Ostersonntag wurde ich dann sehr früh von meinen Gastgeschwistern geweckt und wir alle haben im Haus nach unseren gefüllten Plastikeiern gesucht. Jeder hatte eine andere Farbe und tatsächlich habe ich dann auch das erste gefunden - doof nur, dass es nicht in meiner Farbe war. Nachdem wir zum Ostergottesdienst gegangen sind, haben wir das Auto mit dem “Easter Pie” und unseren verzierten Keksen bepackt und sind dann nach Madison gefahren. Dort wohnt meine Gastoma, die uns alle eingeladen hat. Insgesamt haben wir dann mit 23 Leuten gefeiert und es gab keine Minute in der wir nicht entweder erzählt, Karten gespielt oder Schokolade genascht haben. Meine Gasteltern sind am Sonntagabend wieder nach Hause gefahren, aber weil meine Gastgeschwister und ich wegen unserer “Spring Break” nicht zur Schule mussten, haben wir in Madison übernachtet. Die drei darauffolgenden Tage haben wir dann viel Zeit mit meiner Gastoma verbracht und als wir am Mittwochmorgen wieder nach Hause fahren mussten, wollten wir alle gerne noch einen Tag länger bleiben.

Zum Glück waren die Osterferien damit noch nicht vorbei: Am Freitag sind wir zusammen in den Zoo gefahren und haben das kleine Giraffenbaby kennengelernt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und wir sind sogar in einem kleinen Zug gefahren, der uns einmal durch den ganzen Zoo gefahren hat. Das kühle Wetter war mit einer warmen Jacke und Handschuhen überhaupt nicht schlimm und wir sind deshalb auch für einige Stunden dort geblieben und haben uns verschiedenste Tiere angeschaut.

PPP -Lilli Zoobesuch

An einem Sonntagabend hatten meine Gasteltern ihre Freunde eingeladen und mich aus diesem Grund gefragt, ob ich Lust hätte, ein Graubrot zu backen. Natürlich habe ich dazu nicht nein gesagt und umso mehr habe ich mich gefreut, als es allen sehr gut geschmeckt hat. Nach dem Abendessen haben wir ein sehr lustiges Spiel gespielt und ich habe dann tatsächlich gewonnen, auch wenn ich es noch nie vorher gespielt habe. Als Preis habe ich leckere Amerikanische Schokolade bekommen – vielleicht lag mein Gewinn am Anfängerglück, anders kann ich es mir nämlich nur schwer erklären.

Vor ein paar Wochen habe ich angefangen hier Fußball zu spielen und deshalb habe ich oft nach der Schule Training oder ein Spiel. Natürlich gefallen mir die Spiele ein bisschen besser als einfach nur Training, aber mein Team ist super nett und auch das Training ist immer sehr lustig. Ganz am Anfang der Saison mussten wir manchmal im Schnee oder Regen spielen, aber in letzter Zeit hatten wir auch einige sehr sonnige und warme Tage auf dem Fußballplatz.

Meine Gasteltern fahren beide sehr gerne Fahrrad und vor kurzem haben wir alle zu sechst eine schöne Fahrradtour gemacht. Wir sind durch verschiedenste Straßen geradelt und haben alle das schöne Wetter genossen. Scheinbar hatten viele Leute die gleiche Idee wie wir und deshalb waren die Fahrradwege auch ziemlich gut besucht.

Im April hatten zwei meiner drei Gastgeschwister Geburtstag und deshalb haben wir zusammen mit der Familie gefeiert. Der April macht bekanntlich was er will und das konnten wir auch an diesem Tag miterleben. Anfang April war es noch sehr kalt mit kleinen Schneeschauern und vor einigen Tagen hatten wir alle schon kurze Hosen an und uns gefragt, warum es sich im Frühling wie Hochsommer anfühlt. Für die Kindergeburtstagsfeier meiner Gastgeschwister sind wir alle zusammen zu einem Trampolinpark gefahren und haben dort sehr viel Zeit verbracht. Schon seit Ewigkeiten bin ich kein Trampolin mehr gesprungen und da hat mir das Trampolinspringen gleich noch viel mehr Spaß gemacht.

Da im Februar meine kleine Gastcousine geboren wurde, haben wir im April ihre Taufe gefeiert. Dafür mussten wir aber erst zwei Stunden mit dem Auto fahren. Für mich ist das immer noch eine längere Strecke mit dem Auto, aber ich scheine immer die Einzige zu sein, der zwei Stunden Autofahren viel vorkommt – für alle anderen ist das total normal und überhaupt nichts Außergewöhnliches. Wir alle hatten sehr viel Spaß und ich freue mich schon die zweite Taufe hier in den USA miterleben zu können.

Dieses Wochenende habe ich mein allererstes Baseballspiel gesehen und dann auch noch gleich im Stadion! Wisconsins Baseballteam sind die “Milwaukee Brewers” und an diesem Sonntag haben sie gegen Philadelphia gespielt. Von Baseball wusste ich bevor diesem Spiel so gut wie gar nichts, aber im Laufe des Spiels war es dann doch relativ einfach zu verstehen. Das gesamte Stadion war sehr groß, aber bei weitem nicht so gut besucht wie ich erwartet hätte. Zum Glück haben die Brewers 8:5 gewonnen – bei ihren drei Homeruns war es im Stadion sehr laut und alle sind von ihren Sitzen aufgesprungen. Es war ein unglaubliches Erlebnis und ich freue mich sehr, so etwas miterlebt zu haben.

PPP -Lilli beim Baseball

Am nächsten Samstag ist dann endlich “Prom”. Nicht nur ich, sondern auch die meisten meiner Mitschüler sind sehr aufgeregt und können es gar nicht mehr bis zum Wochenende abwarten. Hoffentlich spielt das Wetter damit die Prom-Fotos nicht im Regen aufgenommen werden müssen

Viele liebe Grüße nach Deutschland und schon bald werde ich mich wieder mit meinen neuen Erfahrungen und Erlebnissen aus den USA melden.

 

8. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Schon ist es Frühling in Wisconsin und ich habe in der letzten Zeit wieder so einiges erlebt.

Meine High School bietet verschiedene Frühlingssportarten an, darunter Leichtathletik, Fußball und Softball. Auch wenn es bei mir schon einige Jahre her sind, dass ich das letzte Mal Fußball gespielt habe, habe ich mich dazu entschieden, hier wieder damit anzufangen. Glücklicherweise gab es sehr viele “open gyms”. Das heißt, bevor die eigentliche Saison startet, haben alle Spieler die Möglichkeit einfach ein bisschen in der Turnhalle Fußball zu spielen, um sich bereit für den Saisonstart zu machen. Natürlich gibt es auch hier, wie bei jedem anderen Sport, “try-outs”. Die für Fußball haben gerade begonnen und meistens haben diese mit einigen Spielzügen und ganz viel Laufen zu tun. Ich bin schon sehr gespannt darauf mit wem ich in einem Team sein werde und freue mich darauf Fußball zu spielen. Mit den Trainern habe ich mich schon über so einige Bundesligisten unterhalten und natürlich auch über die Deutsche Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft.

PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher mit ihrer GastfamilieNeben Fußball und Basketball ist an meiner Schule aber auch noch viel Anderes passiert, so gab es an meiner Schule zum Beispiel den ACT. Dieser mehrstündige Test in den Bereichen Englisch, Mathe, Lesen, Naturwissenschaften und Schreiben dient zur Überprüfung, wie gut jeder einzelne Schüler an einem College zurecht kommen würde. Eine bestimmte Punktzahl wird von vielen Colleges als Voraussetzung für einen Studienplatz gefordert und aus diesem Grund haben sich alle sehr bemüht möglichst erfolgreich abzuschließen. Für mich war es zum Glück nicht ganz so stressig, sondern stattdessen fand ich es eigentlich ziemlich spannend welche Fragen uns gestellt wurden und wie unterschiedlich diese zu meinen normalen Klassenarbeiten und Tests in Deutschland sind.

Ziemlich überrascht war ich, als wir an einem Freitag in meiner Schule einen “Code Red”-Drill geübt haben. Natürlich hatte ich in Deutschland an meiner Schule schon so einige Probe-Feueralarme, aber mir war nicht bewusst, daß an US-Amerikanischen High Schools auch geübt wird, wie es sich zu verhalten ist, wenn jemand Bewaffnetes in das Schulgebäude gelangt ist. Viele meiner Mitschüler haben das hier schon oft geprobt und deshalb schien es für sie auch nicht besonders außergewöhnlich zu sein.

An meiner High School findet Ende April “Prom” statt. Das ist nichts anderes als ein großer Ball für die Elft- und Zwölftklässler, also auch für mich, und viele geben hierfür oft sehr viel Geld aus. Einige Kleider kosten bis zu $400 und das scheint auch relativ normal zu sein. Mir scheint es nicht sehr viel Sinn zu machen ein so teures Kleid zu kaufen und es dann am Ende meines Austauschjahres vermutlicherweise aus Platzgründen nicht einmal mitnehmen zu können. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich mir ein Kleid von Claire, einer Zwölftklässlerin, ausleihen konnte. Somit muss ich mir nicht bis Ende April darum Gedanken machen ein Kleid zu finden und ich kann es kaum abwarten im April “mein” Kleid anzuziehen.

Da mich die Austauschorganisation YFU stellvertretend für den Bundestag und den Congress hier in den USA betreut, habe ich an einem Samstag viele andere YFU-Austauschschüler getroffen. Hierbei handelte es sich nicht nur um das Halbjahrestreffen, sondern auch um das “Dinner-Meeting”. Für dieses haben wir alle ein typisches Gericht aus unserem Heimatland zubereitet. Von japanischem Reis, italienischer Lasagne, bis hin zu deutschem Kartoffelsalat war alles mit dabei. Ich habe Käsespätzle gemacht und weil ich normales Graubrot doch ein bisschen vermisse, habe ich auch das für unser gemeinsames Abendessen gebacken. Es scheint allen sehr gut geschmeckt zu haben, denn am Ende war fast gar nichts mehr übrig.

Dinner in AmerikaNun da die Football-Saison mit dem Super-Bowl zu Ende gegangen ist, fängt Basketball erst richtig an. Im Moment wird hier im Fernsehen oft “March Madness” übertragen. Das ist eigentlich nichts anderes als ein Turnier zwischen den besten College-Basketballmannschaften der USA. Meine eigene Basketballsaison ist zwar schon seit einer Weile vorbei, aber bei einem “Basketball-Bankett” habe ich das ganze Team wiedergesehen und wir alle hatten sehr viel Spaß.

Am letzten Wochenende war ich das allererste Mal auf einer Versteigerung. Wahrscheinlich kann diese sogar am ehesten als eine Benefizveranstaltung beschrieben werden. Die Schwester meiner “Gasttante” und ihr Mann organisieren diese Veranstaltung schon seit vier Jahren, um Spenden für ein Krankenhaus zu sammeln, das ihnen sehr geholfen hat. Bei einem so großen Event konnte natürlich jede Hilfe gebraucht werden und so habe ich mit meinen gleichaltrigen “Gastcousins und –cousinen” eine Art Tombola veranstaltet und anschließend auch geholfen die Preise an die Gäste zu verteilen. Ich hatte super viel Spaß dabei, das Essen war sehr lecker und der ganze Saal war schön geschmückt. Mich hat besonders überrascht, wie viele Leute gekommen sind und wie groß der Erfolg der gesamten Veranstaltung war. Meine Gasteltern und ich sind erst sehr spät nach Hause gekommen und am nächsten Morgen stand dann schon wieder die nächste Feier an. Diesmal war es aber nicht so groß und auch nicht so schick. Anstelle eines Kleides, habe ich nämlich in meinem Kleiderschrank nach einem pinken Oberteil gesucht, damit ich auf der Geburtstagsfeier meiner dreijährigen “Gastcousine” auch dem Prinzeßinnen-Motto nachkomme.

Ich kann es kaum erwarten bis in Wisconsin nicht nur ein paar Krokusse, sondern irgendwann auch all die anderen Blumen anfangen zu blühen. Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Osterfest und genießt die Zeit mit eurer Familie. Viel Glück beim Ostereiersuchen und bis bald!

 

7. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Meine Hoffnung diesen Bericht nicht in klirrender Kälte zu schreiben, hat sich erfüllt. Gestern ist es nämlich ein bisschen wärmer geworden, aber leider fängt damit auch der Schnee an zu schmelzen.

Vor ein paar Wochen war es noch sehr viel kälter und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich an einem Samstag in meinem Kleid für den “Crystal Ball” gefroren haben. Vor dem “Crystal Ball” bin ich zu einem “Pasta Dinner” eingeladen worden, weil es üblich ist, sich vor den Schultänzen mit Freunden zu treffen oder zum Essen auszugehen. Natürlich haben wir auch noch Fotos gemacht, bevor wir dann zur Schule gefahren sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nicht so gerne tanze oder singe, aber weil alle getanzt haben, konnte ich mich auch dazu durchringen und ich hatte den ganzen Abend lang total viel Spaß! Um 22 Uhr hat der DJ dann aufgehört Musik zu spielen und alle haben sich auf den Weg gemacht. Ich habe mich noch mit ein paar Mädchen getroffen, erzählt und war dann auch irgendwann todmüde und froh ins Bett gehen zu können.

PPP -Lilli liest vor-

Am Sonntagmorgen haben meine Gasteltern mich ausschlafen lassen und ich musste nicht früh für die Kirche aufstehen, sondern bin erst gegen 11 Uhr zur Kirche gegangen. Dort habe ich nämlich bei dem “Fellowship Breakfast” mitgeholfen. Als Teil meines PPP-Stipendiums werde ich bis zum Sommer 2016 mindestens 20 Stunden Freiwilligenarbeit leisten und ich hatte schon die verschiedensten Gelegenheiten, um ein paar Stunden zu sammeln. Die Leute mit denen ich zusammen arbeite, sind immer super nett und ich freue mich schon, wenn ich das nächste Mal die Gelegenheit habe, Freiwilligenarbeit zu absolvieren. Im Rahmen des “Fellowship Breakfasts” habe ich vor allem bei der Zubereitung von belegten Brötchen geholfen und Saft ausgeschenkt. Dadurch habe ich viele der Kirchbesucher kennengelernt und weil es mit so viel Spaß gemacht hat, werde ich Ende dieses Monats wieder mit dabei sein.

Neulich war ich mit zwei Freundinnen im Kino und wir haben uns einen Film angeschaut. Ganz anders als zu Hause in Deutschland, gibt es hier natürlich kein süßes Popcorn, sondern nur butteriges salziges. Am Anfang musste ich mich sehr daran gewöhnen, aber im Moment, schmeckt mir das salzige so viel besser. Was ich persönlich auch sehr spannend finde: in den US-Amerikanischen Kinos gibt es keine Sitzplatzzuordnung. Jedes Ticket kostet gleich viel und Sitze werden nach dem Motto “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” verteilt. Deshalb ist es üblich sehr früh im Kino zu sein, damit man auch wirklich gute Plätze bekommt und nicht in der vordersten Reihe sitzen muss.

Am Sonntag, den 7. Februar, habe ich dann wohl das “amerikanischste” Event überhaupt miterlebt – natürlich nur, wenn man vom “4th of July” absieht. Die beiden Football-Teams “Carolina Panthers” und die “Denver Broncos” standen sich im Super Bowl gegenüber. Zusammen mit meiner Gastfamilie bin ich zu einer Football-Party gegangen, wo viele Familien in ihren Trikots ihr Lieblingsteam angefeuert haben. Wisconsins Team, die Green Bay Packers, haben es leider nicht zum Super Bowl geschafft, aber zusammen mit meinem Gastbruder Josh habe ich für die Denver Broncos die Daumen gedrückt – Das ist nämlich Joshs Lieblingsteam. Viel mehr Spaß als das eigentliche Spiel zu schauen, hat mir aber die Werbung gemacht: große Unternehmen, bekannte Marken und wahrscheinlich jeder Autohersteller, den es überhaupt gibt, haben Millionen US-Dollar in die Werbung investiert, vermutlich fast jeder US-Amerikaner an diesem Tag den Fernseher eingeschaltet hatte. Außerdem haben wir alle einen Zettel ausgefüllt, auf dem die verschiedensten Fragen zum Super Bowl gestellt wurden: Wer wird den ersten Touchdown erzielen, wer gewinnt den Münzwurf, und so weiter. Meine Gastschwester Rachel und ich haben uns ganz gut geschlagen und haben am Ende mit unseren Antworten den 2. Platz belegt. Darauf waren wir beide dann auch ziemlich stolz.

PPP -Lilli beim "Crytal Ball"-

Leider ist für mich diesen Monat meine Basketballsaison zu Ende gegangen und es ist schon komisch nicht jeden Tag nach der Schule zusammen mit meinem Team zu trainieren. Wir haben einige Spiele gewonnen, aber auch verloren, aber alles in allem hat es uns allen sehr viel Spaß gemacht und mit zwei Siegen in der letzten Woche haben wir die Saison definitiv gut beendet. Die Varsity-Teams meiner Schule hat jetzt noch Chancen in den Playoffs Wisconsins “State Champion” zu werden und ich hoffe natürlich sehr, dass sie die anderen Teams schlagen werden.

Mit meiner Gastfamilie verstehe ich mich super und wenn wir alle zu Hause sind, spielen wir auch häufiger mal Brettspiele. Vor kurzem habe ich Lego mit meinen Gastgeschwistern gespielt und es hat mir überraschenderweise sehr viel Spaß gemacht. Als ich dann über Playmobil berichtet habe war das sehr lustig, denn komischerweise haben nur die wenigsten hier von Playmobil gehört. Das muss wohl eher in Deutschland bekannt sein.

Am Wochenende haben meine drei Gastgeschwister und ich bei meinen Gastgroßeltern übernachtet und wollten am Sonntagabend gar nicht wieder abgeholt werden. Wir sind alle zusammen zur Kirche gegangen und haben dann abends hauptsächlich Hallmark-Filme geguckt. Ich finde es immer sehr spannend, wie unterschiedlich deutsche und US-Amerikanische Fernsehsender doch sind, aber wie trotzdem ähnliche Programme, Filme und Serien gezeigt werden. Sonntagmorgens habe ich dann nach einer langen Zeit Camille, meine zweijährige Gastcousine, und ihren Babybruder Kaden wieder gesehen. Den Großteil der Zeit haben wir mit dem Vorlesen von Prinzessinnenbüchern verbracht und für mich war es immer ungewohnt, die Namen Englisch aussprechen zu müssen, aber daran werde ich mich bestimmt auch noch gewöhnen. Wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, werde ich bestimmt ganz viele neue Spiele mit nach Hause bringen und das “Braunschweig-Monopoly” wird bestimmt auch ohne mich hier noch ganz viel gespielt werden. Zum Glück kennt meine Gastschwester Nay die Ereignis- und Gemeinschaftskarten, so dass sie dann die wichtigsten Zeilen übersetzen kann, obwohl sie in deutsch auf den Karten stehen – Ich frage mich immer, wie sie das macht…

Anfang Februar hat es bei uns noch geschneit und obwohl es sich vor ein paar Tagen wie Frühling angefühlt hat, glauben alle, dass noch mehr Schnee kommen wird. Ich bin gespannt und werde das einfach abwarten. Ich freue mich sehr, dass Winter in diesem Jahr für mich auch gleichzeitig Schnee bedeutet. Hauptsache es wird nicht wieder eisig kalt…

In einem Monat werde ich wieder von mir aus den USA hören lassen und bis dahin werde ich bestimmt noch mehr viele tolle Sachen erleben, von denen ich euch dann im März berichten kann!

 

6. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Ich hoffe, dass ihr alle gut ins Neue Jahr gestartet seid, aber bevor ich euch über mein Silvester berichten werde, habe ich noch ganz viel von Weihnachten zu erzählen.

Weihnachten in WisconsinWie es hier in den USA üblich ist, werden erst am 25. Dezember die Geschenke vom Weihnachtsmann geöffnet, aber trotzdem haben wir uns schon an Christmas Eve, dem 24. Dezember, mit der Familie getroffen. Früh morgens haben wir uns auf den Weg zu meiner Gasttante gemacht. Dort sind wir dann auch schon von allen begrüßt worden und die erste von vielen Weihnachtsfeiern konnte beginnen. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon daran gewöhnt, dass es auf Familienfeiern immer sehr viel zu essen gibt und weil meine Gasttante einen “Kekstausch” mit Nachbarn und Freunden veranstaltet hat, herrschte auch kein Mangel an Weihnachtskeksen. Nachdem alle fertig gefrühstückt hatten, durften wir Kinder schon die ersten Geschenke auspacken. Über alle meine Geschenke habe ich mich sehr gefreut und vor allem die Socken mit Weihnachtsmannmuster ziehe ich oft und gerne an. Eine super Idee hatte auch meine Gastoma, die mir Fotomagneten für mein Schließfach geschenkt hat – die meisten Schüler haben nämlich zahlreiche Fotos in ihren Schließfächern hängen und ich habe jetzt langsam aber sicher auch schon ein bisschen Mühe noch mehr Fotos an meiner Schließfachwand unterzubringen. Weil meine Gasteltern und alle erwachsenen Verwandten sich nichts gegenseitig geschenkt haben, gab es immerhin das “white elephant”-Geschenk. Mich hat das sehr an Schrottwichteln erinnert und Ziel ist es, das hässlichste Geschenk, was man nur finden kann, an die anderen zu verschenken. Ich muss auch zugeben, dass ich mich bei einigen Geschenken auch stark gewundert habe, wo die hergekommen sind und ob tatsächlich jemand dafür Geld ausgegeben hat, aber das bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Als wir dann abends wieder zurück nach Hause gekommen sind, haben wir uns es zu sechst im Wohnzimmer gemütlich gemacht und dort zahlreiche Weihnachtsfilme angeschaut und ich kann jetzt definitiv einige Zeilen in den Weihnachtsklassikern mitsprechen. Sehr gespannt auf den nächsten Morgen sind wir alle schlafen gegangen und es dauerte gar nicht lange, bis meine Gastschwester Nay früh morgens an meine Zimmertür geklopft hat: “Lilli, Santa was here” Wir sind alle natürlich sofort ins Wohnzimmer gegangen und haben dort lauter verpackte Geschenke unter unserem geschmückten Weihnachtsbaum gefunden.

Die traditionelle "Weihnachts-Socke"Genau wie ich es mir immer vorgestellt habe, hatten wir auch alle eine große Socke über dem Kamin hängen, die mit kleinen Päckchen und Schokolade gefüllt war. Normalerweise werden bei meiner Gastfamilie die Geschenke erst nach der Kirche geöffnet, aber weil wir so gerne unbedingt eines der kleineren Päckchen auspacken wollten, haben meine Gasteltern nachgegeben und wir waren wenige Minuten später stolze Weihnachtssockenbesitzer. Meine Gastgeschwister Rachel, Nay und Josh haben mir noch vor der Kirche gesagt: “Oh, Lilli, Christmas mass takes sooo much longer”, aber weil wir sehr viele schöne Weihnachtslieder gesungen haben, der Chor so vollzählig war wie lange noch nicht und weil alles sehr schön geschmückt und dekoriert war, kam es mir vor, als wäre dieser Gottesdienst wie im Flug vergangen.

Natürlich konnten wir es alle nicht erwarten unsere Geschenke auszupacken und kaum waren wir zu Hause, ging das Auspacken auch schon los. Ich habe auch ein Weihnachtspaket von meinen Eltern und meinen Schwestern aus Deutschland bekommen und natürlich waren dort auch Geschenke für meine Gastfamilie dabei. Großen Anklang findet hier immer die deutsche Schokolade und ich bin mir auch gerade gar nicht so sicher, ob die nicht vielleicht schon restlos aufgegessen wurde. Auch von meinen Gasteltern und von “Santa” habe ich sehr schöne Geschenke bekommen und den superschönen und kuschligen gestrickten Pulli, der mir aus Deutschland zugeschickt wurde, kann ich im Moment sehr gut gebrauchen: die letzten Tage waren es immer nur um die Minus 20 Grad und das wird wahrscheinlich auch für eine Weile so bleiben… Diese Kälte hätten wir an Weihnachten gebraucht: meine Hoffnungen auf eine weiß Weihnacht haben sich auch leider dieses Jahr nicht erfüllt.

Am 27. Dezember haben meine Gastfamilie und ich uns auf den Weg nach Minocqua für einen Kurzurlaub gemacht und dort konnten wir uns alle definitiv nicht über zu wenig Schnee beklagen. Da Minocqua im Norden Wisconsins liegt, war es dort sehr viel kälter und alle Straßen und Bäume waren mit Schnee bedeckt. Wir haben unsere Zeit dort in einem Ferienhaus genossen und zwar in genau dem, das meine Gastfamilie schon vor fünf Jahren einmal besucht hatte. Unsere Tage haben wir oft mit verschiedensten Gesellschaftsspielen, Spaziergängen durch den Schnee, schwimmen im Pool und puzzeln verbracht und wir alle hatten eine wunderschöne Zeit. Keiner von uns wollte am 30. so richtig wieder nach Hause zurückfahren, aber gleichzeitig haben wir uns alle gefreut wieder im eigenen Bett zu schlafen und Noodle, unseren Hund, wiederzusehen.

An New Year’s Eve, also dem 31. Dezember, haben wir nicht besonders viel gemacht. Ein bisschen waren wir noch damit beschäftigt alles aus Minocqua auszupacken und am Abend haben wir viel erzählt, Spiele gespielt und ein bisschen Fernsehen geguckt. Um 17 Uhr konnte ich dann schon meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland ein frohes Neues Jahr wünschen, aber ich musste noch sieben Stunden warten, bis ich endlich allen ein “Happy New Year” in Wisconsin wünschen konnte. Ganz anders als in Deutschland, wird hier an Silvester fast gar kein Feuerwerk veranstaltet. Ich habe nicht eine einzige Rakete am Himmel gesehen, obwohl ich zu Hause die letzten Jahre immer gar nicht wusste, in welche Richtung ich vor lauter Feuerwerk, Funken und Raketen zuerst schauen sollte. Scheinbar ist Feuerwerk hier eher für den 4th of July, also den Nationalfeiertag, reserviert, denn außer mir war niemand überrascht, dass keine Raketen zu sehen waren. In diesem Jahr war mein Silvester also völlig anders als normalerweise, aber für mich war es sehr interessant mein Silvester hier zu verbringen und zu feiern, auch wenn “Silvester feiern” in den USA für mich jetzt eine ganz andere Bedeutung hat.

In der Schule ist jetzt schon das erste Halbjahr um, obwohl ich mich noch ganz genau an meinen ersten Schultag erinnern kann. Da zwei meiner Kurse nur für ein Halbjahr ausgelegt waren, werde ich im nächsten Halbjahr Team Sports und Government belegen. Auf diese beiden Klassen bin ich schon sehr gespannt und hoffentlich gefallen sie mir so gut, wie meine anderen Klassen. Basketballspielen fällt mir immer leichter und ich möchte eigentlich gar nicht, dass die Saison bald zu Ende ist.

Dieses Wochenende wird an meiner Schule der “Crystal Ball” veranstaltet und darauf freue ich mich schon riesig. In meinem nächsten Bericht werde ich euch dann allen schon sehr viel mehr darüber berichten können und hoffentlich ist es bis dahin auch schon wieder ein bisschen wärmer hier in Wisconsin. 

 

5. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Und schon wieder ist ein Monat um! Die Weihnachtsvorbereitungen laufen im Moment auf Hochtouren und bei mir stellt sich auch so langsam die Weihnachtsstimmung ein. Als ich im Sommer erfahren habe, dass es für mich nach Wisconsin geht, habe ich schon damit gerechnet mir dicke Schneestiefel, eine wärmere Winterjacke und zahlreiche Paare Handschuhe zu kaufen, damit ich für den kalten Winter gewappnet bin. Gerade sieht es aber leider gar nicht danach aus: es regnet und wenn es kalt ist, dann nur für einen Tag. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und deshalb hoffe ich immer noch, dass ich zwar vielleicht nicht weiße Weihnachten feiern kann, aber dafür weißes Silvester.


Ingrid Pahlmanns PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher berichtet vom Thanksgiving-FestBevor ich aber von den vielen Vorbereitungen für Weihnachten berichte, habe ich noch Einiges von unserer Thanksgiving-Woche zu erzählen. Am Tag bevor Thanksgiving hat mich meine Gastfamilie direkt von der Schule abgeholt und dann haben wir uns auf den Weg nach Madison gemacht, wo wir bei meiner Gastoma übernachtet, Karten gespielt und erzählt haben. Außerdem sind wir mit ihr zusammen zum “Luke House” gefahren. Dort leisten verschiedene Kirchengemeinden Freiwilligenarbeit und kochen ein Abendessen, dass dann den Gästen serviert wird, die ohne das “Luke House” keine Möglichkeit hätten, etwas zu Abend zu essen. Jeder Helfer hatte verschiedenste Aufgaben zu erledigen. Zusammen mit meiner Gastschwester Rachel habe ich mich viel mit den Gästen unterhalten und weil sich auch jemand um all das Geschirr kümmern musste, haben wir beide uns dafür gemeldet. 

An Thanksgiving selber sind wir dann zurück nach Hause gekommen, aber gefeiert haben wir erst am Freitag und am Samstag, weil an Thanksgiving alle Verwandten schon anderweitig verplant waren. Für uns war das aber nicht so schlimm – das hieß einfach mehr Zeit, um das viele Essen vorzubereiten. Meine Gastmutter hat fast den ganzen Tag in der Küche verbracht, aber wir haben ihr natürlich geholfen die “Sweet Potatos”, “Apple Pies”, “Pumpkin Pies”, “Pecan Pies”, “Cranberry Butter” und noch vieles mehr zuzubereiten. Ich glaube mein Lieblings-Pie war definitiv der Pecan Pie, obwohl die anderen auch sehr gut geschmeckt haben. Am Samstag haben wir uns dann mit den Geschwistern meiner Gastmutter und ihren Familien getroffen und vieles drehte sich wieder um Essen, aber wir haben die Feier auch genutzt, um zu erzählen, “Grandma’s Game” zu spielen und einfach einen schönen Tag zu verbringen.

Kaum war Thanksgiving vorbei, haben wir angefangen Weihnachtsdeko aus den großen Pappboxen hervorzuholen. Wir haben meinen Gastgroßeltern mit ihrer Dekoration geholfen und mein Gastopa hat immer mehr und mehr Boxen aus dem Keller heraufgetragen. Nach vier Boxen dachte ich, nun sind aber wirklich alle im Wohnzimmer, aber da habe ich mich getäuscht. Ich wusste gar nicht, dass man überhaupt so viel Weihnachtsdeko haben kann: Das ganze Haus meiner Gastgroßeltern ist voller Deko und das nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch in der Küche, im Schlafzimmer und sogar im Badezimmer. Aber nicht nur Im Haus ist alles geschmückt – auch im Garten und in der Einfahrt leuchten die Lichterketten und einen Abend haben wir uns die “Candy Cane-Lane”, eine Straße mit Lichterketten-Figuren am Straßenrand, angeschaut. Hier zu Hause bei meiner Gastfamilie sieht es aber gerade nicht so viel anders als bei meinen Gastgroßeltern. Weil meine Gastfamilie so viele Weihnachtsbaumkugeln hat und scheinbar jedes Jahr neue dazukommen, haben wir zwei Weihnachtsbäume, damit auch wirklich alle aufgehängt werden können. Unser ganzes normales Geschirr wurde für Geschirr mit Weihnachtsmuster ausgetauscht und von den Küchenhandtüchern lächeln mich jeden Tag Rentiere, Wichtel oder der Weihnachtsmann an.

Meine Eltern haben mir ein Adventspaket zugeschickt und darin waren viele Schokoladen-Adventskalender, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Meine Gastgeschwister können davon gar nicht genug bekommen und wir sind alle schon ein bisschen traurig, wenn wir schon in Kürze morgens kein Türchen mehr zu öffnen haben. Die Lebkuchen, die auch im Paket waren, sind noch ungeöffnet, aber als ich vorgeschlagen habe, dass wir die an Christmas Eve (24. Dezember) mit uns zur Familien-Weihnachtsfeier nehmen könnten, war glaube ich die Begeisterung die Lebkuchen zu teilen nicht so groß und wahrscheinlich werden wir sie deshalb lieber als Proviant mit uns nehmen, wenn wir ein paar Tage der Weihnachtsferien im Norden Wisconsins verbringen. Auf diesen Kurzurlaub freue ich mich schon riesig und wir alle zählen schon die Tage bis es endlich losgeht.

Obwohl Weihnachten zu dem Zeitpunkt noch in weiter Ferne lag, haben meine Gastgroßeltern uns allen ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht. Zu acht sind wir an einem Freitag ins Theater gegangen und haben uns dort das “Christmas Carol” nach Charles Dickens angesehen. Ich konnte glücklicherweise alles ohne Probleme verstehen und am Ende wäre ich am liebsten in meinem Sitz sitzen geblieben und hätte das ganze Theaterstück gerne noch einmal von vorne angesehen. Die Geschichte war so schön und am Ende des Stückes war das ganze Publikum auf Weihnachten gestimmt - alle hatten gute Laune und die Schauspieler haben sehr viel Applaus bekommen.

Da meine Gastfamilie an Familie und Freunde zu Weihnachten “Cinnamon Breads” und verschiedenste Kekse verteilt, haben meine Gasteltern einen Tag lang von früh morgens bis spät abends gebacken. Ich hatte leider Schule, aber am Nachmittag konnte ich noch ein bisschen mithelfen. Ich habe das Wochenende davor Mürbeteigplätzchen mit Marmeladenfüllung gebacken und alle waren begeistert. Meine Gastmutter mochte die Kekse sogar so gerne, dass wir die vermutlich noch einmal machen werden, so dass wir auch von denen ein paar auf die Keksteller für Freunde, Familie und Nachbarn legen können. Gestern Vormittag haben Rachel, Nay, Josh und ich angefangen Kekse zu dekorieren und gleichzeitig haben wir auch einen “Decorating-Contest” gestartet: der schönste Keks gewinnt – Ein Grund mehr, um sich ganz viel Mühe mit dem Dekorieren zu geben.

In der Schule komme ich sehr gut zurecht und mein Basketballtraining nach der Schule macht mir mit jedem Tag mehr Spaß. Auch wenn ich manchmal ein bisschen überfordert mit allen unseren offensiven Spielzügen bin, strenge ich mich an und probiere alles so gut wie möglich umzusetzen. Für mich gibt es sicherlich noch viel zu lernen, aber bei einem meiner letzten Spiele habe ich sogar Körbe gemacht und darüber habe ich mich sehr gefreut. Über die Weihnachtsferien werden wir wahrscheinlich nicht so viel trainieren, aber vielleicht übe ich dann einfach ein bisschen mit meinen beiden Gastschwestern zu Hause, die spielen nämlich auch Basketball. Alle drei Basketball-Teams (Freshmen, Junior Varsity und Varsity) haben sich am Samstag getroffen, weil wir ein besonderes Training hatten. Der Coach des Varsity Teams hat organisiert, dass wir alle zu einer Kirchengemeinde gefahren sind und dort haben wir zusammen für und mit Familien, denen es nicht so gut geht, Geschenke eingepackt. Zusammen mit einem anderen Mädchen habe ich mit den Kindern Süßigkeitenautomaten aus Holz gebaut und es gab auch einen kleinen Chor, der für Weihnachtsstimmung gesorgt hat. Dieses “Training” sollte uns allen die Möglichkeit geben etwas zurück zu geben und auch gleichzeitig dazu dienen uns zu erinnern, dass es nicht allen so gut geht und wie dankbar wir, vor allem jetzt zur Weihnachtszeit, sein sollten.

Ich wünsche allen ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr und ich werde hier schon bald mehr von meinem US-Amerikanischen Weihnachtsfest berichten können.

 

4. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Viele verschneite Grüße aus Wisconsin – am Samstag hat es hier nämlich geschneit und langsam kommt immer mehr Weihnachtsstimmung auf. Bevor ich aber von den ganzen Weihnachtsdekorationen berichte, habe ich erstmal noch viel über den Herbst zu erzählen.

Der erste Schnee bei PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher in Wisconsin In der Schule hat sich nicht viel verändert, aber jeder Junior (Elftklässler) in den USA muss an einem Act-Test im März teilnehmen (vergleichbar mit Abschlussprüfungen) und um uns nicht alle ohne Vorbereitung diesen Test in einem knappen halben Jahr schreiben zu lassen, gab es einen Trainings-Test. Wir alle wurden alphabetisch verschiedenen Klassenräumen zugeordnet und haben dann nach und nach die verschiedenen Teile des Tests bearbeitet. Ich persönlich fand das sehr spannend, aber alle anderen waren ein bisschen angespannter, weil das Ergebnis des richtigen ACT’s im März großen Einfluss auf die College-Wahl nach der Schule haben kann und deshalb waren alle bemüht den Test so gut wie möglich zu bestehen, um einen Eindruck zu bekommen, was man bis zum März vielleicht noch verbessern kann.

Wie ich im letzten Bericht schon erwähnt hatte, konnte ich hier mit meinen Gastgeschwistern Halloween feiern. Am Freitagabend vor Halloween haben meine Gastfamilie und ich Kürbisse ausgehöhlt und Gesichter und andere Formen in die Schale geschnitzt. Weil wir danach so viele Kürbiskerne hatten, hat meine Gastmutter diese geröstet, sodass wir am nächsten Tag zwei verschiedene Sorten geröstete Kürbiskerne verkosten konnten. Ein paar wurden in Zimtzucker gewälzt und danach haben sie ein bisschen wie gebrannte Mandeln geschmeckt. Am nächsten Morgen haben wir dann alle ein bisschen aufgeräumt und uns verkleidet. Meine Gastgeschwister Rachel, Nay und Josh, haben ein paar Freunde eingeladen und zusammen sind wir dann durch die Nachbarschaft gegangen. Ich war als Rotkäppchen verkleidet und passend zu meinem Kostüm hatte ich natürlich auch einen Korb, der nach einer Stunde bis zum Rand mit Süßigkeiten gefüllt war. Die beste Zeit des Abends kam dann aber noch: Wir haben alle unsere Körbe, Tüten und Eimer voller Schokolade und anderem Süßem auf dem Wohnzimmerteppich ausgekippt und dann untereinander gehandelt. Ich kam mir ein bisschen vor wie auf einem Markt auf dem jeder versucht seine Ware anzupreisen, aber am Ende waren alle glücklich und zufrieden mit der Süßigkeiten-Ausbeute. Zu Hause war ich zwar noch nie ein großer Fan von Erdnussbutter, aber hier habe ich viel schokoladiges für mich entdeckt, das zusätzlich auch noch mit Erdnussbutter gefüllt ist. Wahrscheinlich werde ich im Juni dann ganz viele Tüten voller amerikanischer Schokoladenriegel in meinen Koffer packen – wenn noch Platz ist, natürlich.

Kürbisse der Gastfamilie von Lilli Hilscher

Im Dezember haben wir ein YFU-Treffen bei dem alle Austauschschüler ein für ihr Land typisches Essen kochen und dann zusammen mit all den anderen Gerichten als Abendbrot Essen. Ich habe schon mal ein bisschen geübt und Brezeln gebacken und dann einen Abend auch Käsespätzle (die sind natürlich eher schwäbisch, aber trotzdem typisch deutsch). Meine Gastfamilie war begeistert davon und die ganze Auflaufform voller Nudeln war am Ende leergegessen.

Am 7. November haben wir Rachels Geburtstag gefeiert, obwohl ihr richtiger Geburtstag erst ein paar Tage darauf war. Wie so oft gab es ganz viel zu Essen und ich habe meiner Gastmutter geholfen alles vorzubereiten. Gegen späten Nachmittag kamen dann die ersten Gäste und wir haben “The Great Dalmuti” gespielt und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich glaube, dass ich mir für dieses Spiel nochmal die Anleitung aufschreiben muss.

Ich bin mir nie sicher wie lange die Post braucht, um Pakete und Briefe nach Deutschland zu schicken und deshalb habe ich die Weihnachtspakete nach Deutschland schon sehr früh losgeschickt. Ich habe von meiner Familie ein Paket mit ganz vielen Adventskalendern bekommen, die ich an meine Gastfamilie und Freunde verteilen kann und ich bin so glücklich, dass ich auch dieses Jahr einen Adventskalender habe. Falls meine Eltern und Schwestern diesen Bericht lesen, möchte ich hier nicht schreiben, was ich ihnen zu Weihnachten gekauft habe, dann wäre die Überraschung ja weg. Zusammen mit meiner Gastoma, Rachel und Nay sind wir an einem Sonntag in die Mall gefahren und haben uns dort verschiedenste Sachen in den ganzen Läden angeschaut. Es ist für mich sehr ungewohnt, Teppich auf dem Boden der Mall zu sehen, in den Schloss Arkaden sieht es zu Hause nämlich ganz anders aus. Zusammen mit drei Mädchen aus meinem Jahrgang war ich an einem schulfreien Freitag bei Dunkin Doughnuts und selbst wenn es das auch bei uns zu Hause gibt, ist es viel “amerikanischer” und authentischer hier.

Die Tennissaison ist nun schon eine Weile vorbei und ich habe mich deshalb entschieden Basketball zu spielen. Generell gibt es hier viele verschiedene Teams, die nicht unbedingt nach dem Alter, sondern auch nach dem Können, eingeteilt werden. Das Freshmen-Team ist meistens für die Neuntklässler oder auch für Mädchen, die noch nie vorher Basketball gespielt haben. Demnach hätte ich also im Freshmen-Team sein müssen, aber nach den “Try-Outs” haben mir die Coachs gesagt, dass sie möchten, dass ich Junior Varsity spiele. Darüber habe ich mich total gefreut – das ist nämlich das “mittlere” Team und ich habe das Gefühl, dass ich dort sehr gut zurechtkommen werde, auch wenn ich noch ein bisschen die Spielregeln auswendig lernen muss. Wie auch für jedes andere Sport Team gab es einen Fototermin bei dem Mannschaftsfotos aufgenommen wurden. Ich habe auch ein Teambild bestellt, auch wenn mir $16 für ein einziges Bild ganz schön viel vorkommt, aber das ist im High School-Sport wohl so. Wir hatten schon unser erstes Spiel und haben das auch gewonnen, wenn auch nur mit einem Punkt, aber gewonnen ist gewonnen!

Lilli Hilscher mit dem Nachwuchs der GastfamilieMein letztes Wochenende war ziemlich vollgepackt mit verschiedensten Aktivitäten, aber wir hatten alle so viel Spaß! Am Samstag waren wir zur Taufe meines kleinen Gastcousins eingeladen und nach einer zwanzig-minütigen Verspätung ging der Gottesdienst dann auch los. Der Priester hatte nämlich vergessen, dass er den Gottesdienst halten musste und kam deshalb einfach ein bisschen später. Langsam kenne ich schon die ganzen Lieder und Gebete und muss nicht mehr alles im Gesangsbuch nachschlagen und darüber bin ich sehr froh. Nachdem alle Taufgäste dann noch zusammen Abendessen gegessen und ein bisschen erzählt haben, sind Rachel, Nay, Josh und ich nicht nach Hause gefahren, sondern zusammen mit meinen Gastgroßeltern zu deren Haus gefahren. Am Abend haben wir ein “Hallmark-Special” gesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich immer, dass Hallmark nur Karten herstellt und verkauft, aber es gibt auch einen gleichnamigen Fernsehkanal auf dem immer saisonale Filme gezeigt werden und im Moment sind das eben Weihnachtsfilme. Obwohl der nächste Tag ein Sonntag war, bin ich sehr früh aufgewacht und nach einem leckeren Frühstück haben wir alle angefangen die Herbstdeko wegzupacken und die Weihnachtsdeko aus den Kisten zu holen. Was das ganze dekorieren noch besser machte war, dass es am Samstag geschneit hatte. Es war super kalt und am Samstagvormittag haben wir auch schon fleißig Schnee geschippt. Während wir dann also die Weihnachtskugeln und Schleifen an den Baum gehängt haben, konnten wir gleichzeitig die glitzernde Schneedecke aus dem Fenster bewundern und das war wirklich sehr weihnachtlich und winterlich. Nachdem wir fertig waren den Weihnachtsbaum meiner Gastgroßeltern zu dekorieren, war es damit aber noch lange nicht getan. Danach ging es nämlich gleich weiter zu meiner “Gasttante”, wo wir dann alle zusammen in einer großen Gruppe alles dekoriert haben. Nachmittags haben wir dann die restlichen zehn oder fünfzehn Kartons voller Weihnachtsdeko ausgepackt und Nay und ich haben angefangen Weihnachtskarten für meine “Gasttante” in Briefumschläge zu stecken, die Umschläge zu adressieren und dann auch Briefmarken, Adresssticker und einen Weihnachtsbaumsticker aufzukleben.

In wenigen Tagen feiern wir Thanksgiving und ich bin schon sehr gespannt und aufgeregt auf alles, was mit diesem Feiertag zusammenhängt. Gleichzeitig möchte ich Thanksgiving noch einmal zum Anlass nehmen, um Frau Pahlmann ein ganz herzliches Dankeschön auszusprechen, die diese ganzen vielen unvergesslichen Erlebnisse und Erfahrungen für mich überhaupt erst möglich gemacht hat.

 

3. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Die Zeit vergeht hier viel schneller, als ich es mir vorgestellt habe, auch wenn uns auf unseren Vorbereitungstagungen viele ehemalige Austauschschüler schon davon berichtet haben. Es ist sehr viel Aufregendes und Spannendes in so kurzer Zeit passiert, ich habe nämlich das Gefühl als hätte ich meinen letzten Bericht gerade erst gestern geschrieben.


Wie ich ja bereits schon in meinem letzten Bericht erwähnt hatte, konnte ich hier an meiner High School Homecoming feiern. Die Kleidersuche für den Homecoming-Dance stellte sich deutlich schwieriger heraus als gedacht, aber glücklicherweise habe ich Gastcousinen in meinem Alter, so dass es kein Problem für mich war, ein Kleid zu leihen. Bevor dem Tanz am Samstagabend ging es für mich dann aber am Freitag zu meinem ersten Football-Game. Weil es hier in Wisconsin langsam immer kühler wird, war ich super froh einen warmen Pulli angezogen zu haben. Mit mir auf der Tribüne stand gefühlt die ganze Schule, alle haben gejubelt, sich unterhalten und Fotos gemacht, natürlich haben wir auch ab und zu mal beim Spiel zugeschaut, aber das war den ganzen Abend lang eher Nebensache. Am Samstagmorgen hat mir dann glücklicherweise ein Mädchen aus meinem Jahrgang geholfen meine Haare zu machen, ich wollte nämlich nicht wie manche andere sehr viel Geld für meine Frisur ausgeben. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich von ein paar Mädchen eingeladen wurde mit ihnen Fotos zu machen und Essen zu gehen, bevor es danach zum Homecoming-Dance ging - und alles war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Mit einer riesigen Kamera wurden tausende von Fotos von uns allen aufgenommen und in einem asiatischen Restaurant hatte ich als Stärkung dann eine leckere Gemüse-Nudelpfanne. Der Homecoming-Dance selber war dann deutlich besser als ich es erwartet hätte. Alle haben getanzt und ich habe mich auch bemüht nicht nur herumzustehen, sondern auch ein bisschen zu tanzen – auch wenn ich keine große Tänzerin bin. Weil alle aber so viel Spaß dabei hatten, habe ich auch ein bisschen mitgetanzt. Nach dem Tanz selber war der Abend für mich dann aber noch lange nicht zu Ende, ich habe mich noch mit einer Gruppe von Mädchen getroffen, um dann bei US-Amerikanischen Snacks und Pizza einen Film zu gucken. 

In der Schule war Homecoming am Montag das Gesprächsthema überhaupt und alle waren sehr traurig, dass sie jetzt wieder ein Jahr darauf warten müssen. Für mich bleibt das mein erstes und letztes Homecoming, aber ich bin sehr froh das alles miterlebt zu haben. Die Schule wird von Tag zu Tag eigentlich nur noch leichter und viele Lehrer und Schüler wollen ein paar deutsche Wörter lernen oder einfach nur wissen, wie man dieses und jenes ausspricht. Ich fühle mich sehr wohl in jeder meiner Klassen und bin sehr froh mit meiner Kurswahl, weil jedes meiner Fächer interessant ist und ich in vielen Neues lerne. In Crime and Social Issues habe ich sogar schon meinen ersten 30-minütigen Vortrag gehalten – ich war so nervös wie wahrscheinlich in meinem ganzen Leben noch nicht. Es war nämlich schon ein bisschen komisch vor meinem ganzen Kurs zu stehen und dann etwas auf Englisch zu erzählen. Glücklicherweise war das dann aber doch nicht so schlimm wie gedacht und ich habe mich sehr gefreut, dass sich all’ die Mühe und Arbeit, die ich in das Projekt gesteckt habe, ausgezahlt hat. Ähnlich wie es bei uns zu Hause Berufsinformationsveranstaltungen gibt, gab es auch hier einen Tag an dem wir alle anstatt unserer normalen Kurse Präsentationen über verschiedene Berufe gehört haben. Ich habe mich dazu entschieden mehr über das Leben eines Anwalts, eines Kochs und eines Management-Direktors in den USA zu erfahren und auch wenn in Deutschland die Ausbildung oder das Studium anders abläuft, war es sehr interessant über die verschiedenen Berufe in einem anderen Land zu hören.

Die Tennissaison ist leider schon wieder vorbei, morgen haben wir dann ein Abschlussessen mit allen und dann werde ich mir wohl voraussichtlich ein anderes Sportteam suchen. Im Moment sieht es so aus, als ob es auf Basketball hinausläuft, ich habe bereits mit dem Coach gesprochen und er war sich sicher, dass wir ein Team finden können, das meinen Fähigkeiten entspricht. Vielleicht kann ich ja dann beim nächsten Mal schon über mein erstes Basketballspiel berichten? Meine beiden Gastschwestern spielen Volleyball und deshalb habe ich in der letzten Zeit schon viel Zeit in Turnhallen verbracht, vor allem mit anfeuern, klatschen und jubeln!

Ich habe jetzt schon eine Gruppe gefunden mit der ich meistens beim Mittagessen zusammen sitze. An einem Freitag bin ich dann mit zwei anderen Mädchen essen gegangen und danach ging es zum National Ice Center. Dort trainieren sogar Olympia-Teilnehmer der USA für ihre Wettkämpfe, meine Eislaufkünste können da zwar nicht so mithalten, aber es hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht.

Einen Tag nach dem Eislaufen hieß es dann für die ganze Familie “früh aufstehen”, obwohl es Wochenende war - Wir haben uns auf den Weg nach Green Lake gemacht, wo wir bei einer Hochzeit eingeladen waren. Meine Gastgroßeltern waren auch dort und deshalb sind Rachel, meine Gastschwester, und ich mit meinen Gastgroßeltern mitgefahren. Wir haben auf dem Weg dorthin sehr viel erzählt und ich habe für das erste Mal in meinem Leben Candy Corn, die typische Halloween-Süßigkeit, gegessen. Ich mag das total gerne, scheinbar ist die Meinung über Candy Corn aber zweigeteilt: entweder man könnte es tütenweise essen oder man ist froh, wenn es endlich wieder aus den Regalen verschwindet. Wir sind ein bisschen eher angekommen und deshalb hatte ich Zeit ein paar Fotos von der Umgebung zu machen. Die Trauung selbst war relativ kurz, aber sehr schön. Mit dem See im Hintergrund kam es mir vor wie eine dieser Hochzeiten aus Hollywood-Filmen und am Abend haben alle ausgelassen gegessen, getanzt, gelacht und erzählt. Ich hatte ich sehr viel Spaß einfach ein bisschen auf der Tanzfläche zu sein und mit den ganzen anderen Gästen zu tanzen. Weil wir in einem Hotel mit Pool übernachtet haben, wollten meine Gastgeschwister und ich diesen natürlich auch nutzen. Deshalb war ausschlafen auch am Sonntag keine Option - wir hatten nämlich nicht so viel Zeit zum schwimmen, weil der Rest des Sonntages schon wieder mit Volleyballspielen, Großeinkauf, usw. verplant war und deshalb sind wir schon um 7 Uhr morgens schwimmen gegangen.

Lebensmittel einkaufen macht hier übrigens noch mehr Spaß als zu Hause, ich komme mir schon manchmal ein bisschen komisch vor, wenn ich durch jeden Gang gehe, nur um zu sehen, was es alles Neues zu entdecken gibt. Von verschiedenen Früchten, Keksen, Crackern bis über Käse (davon gibt es hier mehr als genug im “Dairy-State”) in den verschiedensten Größen und Verpackungen ist alles dabei und es macht mir immer wieder Spaß hier einkaufen zu gehen. Auch Essen im Ganzen ist anders als zu Hause und natürlich war ich auch schon in einem Fastfood-Restaurant essen. Bei mir ist es nicht so extrem wie immer behauptet wird und nicht jeder ernährt sich jeden Tag von Fastfood, aber ich muss schon öfter mal schmunzeln, wenn meine Klassenkameraden jeden Morgen mit einem Coffee to go, einem Smoothie oder einem Eistee irgendeiner Fastfoodkette zur Schule kommen.

Woran ich mich sicherlich noch sehr lange erinnern werde, war unser Ausflug nach Holy Hill. Meine Gastfamilie besucht diesen Ort jedes Jahr zur Herbstzeit, weil dann die Blätter besonders schön gelb, rot und orangefarben in der Sonne leuchten. Holy Hill ist eine Basilika und es war einfach nur wunderschön dort durch den Wald spazieren zu gehen, zu fotografieren und sich die Kirche von innen anzuschauen. Da ich im Rahmen des Stipendiums verschiedenste Freiwilligenarbeit durchführen soll, habe ich mich sehr gefreut zusammen mit meiner Gastmutter und meinen Gastgeschwistern bei einem Spendenlauf Wasserflaschen und vor allem auch Motivation austeilen zu können. Wir sind sehr früh vor Ort gewesen und hätte ich nicht Handschuhe, Mütze und Schal mit mir gehabt, wäre es ziemlich kalt geworden. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und als dann die letzten Teilnehmer an unserem Stand vorbeigekommen sind, habe ich mir gewünscht, dass doch noch ein paar kommen, denen wir Wasserflaschen reichen könnten.

In ein bisschen mehr als einer Woche ist dann auch Halloween. Um ehrlich zu sein hatte ich dafür zu Hause noch nie etwas übrig, aber ich habe das Gefühl, dass es hier definitiv anders sein wird (Ich habe sogar Halloween-Socken mit Kürbissen geschenkt bekommen, aber die werden wirklich erst zu Halloween angezogen). Jeder freut sich schon sehr auf Samstag, dann ist nämlich endlich Halloween und ich kann verkleidet zusammen mit meinen Gastgeschwistern “Trick-or-Treat-ing” gehen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher wie ich mich verkleiden möchte, aber dieses Wochenende wird viel Zeit dafür sein, sich auf Halloween vorzubereiten. Vor ein paar Tagen waren wir auf einer “Pumpkin-Farm” und wir alle haben uns dann einen Kürbis ausgesucht, den wir bald schön gruselig zurechtschnitzen werden, damit auch unser Haus mit Halloween- und Herbst-Deko geschmückt ist. 

 

2. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Genau einen Monat ist es jetzt her, seitdem ich mit meiner Familie zum Flughafen nach Hannover gefahren und in das Flugzeug gestiegen bin, dass mich (leider mit Verspätungen und vielen Planänderungen) zu meiner Gastfamilie in Wisconsin gebracht hat. Mir kommt es vor, als wäre ich schon viel länger hier und ich habe mich schon sehr gut eingelebt, aber erst einmal alles vom Anfang:

Am Mittwoch, den 19. August war dann endlich alles fertig gepackt und ich konnte zusammen mit meinen beiden Schwestern und meinen Eltern den letzten Abend verbringen, bevor es dann am nächsten Morgen Abschied nehmen hieß. Wir sind alle sehr früh aufgestanden, haben meinen Koffer, das Handgepäck und noch eine Tasche im Kofferraum verstaut und haben uns dann auf den Weg nach Hannover gemacht. Eine gute halbe Stunde später wurden wir schon von YFU-Mitarbeitern am Flughafen begrüßt und ich konnte meine Tickets ausdrucken. Ich hatte noch relativ viel Zeit, bis ich durch den Sicherheitsbereich gehen musste, aber irgendwann ging es dann wirklich los: Ich bin mit dem etwas zu schweren Handgepäck durch den Sicherheitsbereich gegangen und habe mich dann noch ganz oft umgedreht, weil es schon ein sehr komisches Gefühl war, zu wissen, dass man sich erst in 10 Monaten wiedersieht. Ich war schon traurig, aber gleichzeitig voller Vorfreude ein Jahr in den USA zu verbringen, meine Gastfamilie zu treffen und meine neue Schule kennenzulernen. Zusammen mit anderen Austauschschülern ging es dann in 35 min nach Frankfurt – kaum sind wir gestartet, setzte der Pilot schon wieder zum Landeanflug an. In Frankfurt habe ich dann viele andere Austauschschüler getroffen, die ich schon von meinen Vorbereitungstagungen kannte und uns allen konnte man die Aufregung anmerken. 

Auf dem Flug nach Washington D.C. saß ich weit hinten und leider nicht, wie ich es mir erhofft hatte, neben einer anderen Austauschschülerin. Glücklicherweise konnte ich meinen Platz tauschen, sodass ich dann für die nächsten acht Stunden neben Anna-Lotta und Elea saß. Es schien, als ob die Zeit nicht vergeht: ich war weder in Deutschland, noch in Wisconsin bei meiner Gastfamilie und es kam mir vor, als müsste ich endlos lange warten, bis das Flugzeug endlich in Washington D.C. landet. In Washington D.C. musste ich dann als allererstes zur “Immigration”. Viele andere Austauschschüler haben mir erzählt, dass sie sich nicht mit dem Sicherheitsbeamten unterhalten haben, aber meiner war sehr nett und hat mir ganz viel Spaß und Erfolg für mein Austauschjahr gewünscht. Durch ein Gewitter in Washington D.C. hat sich die Abflugzeit meines Fluges nach Chicago so sehr verspätet, dass ich meinen Anschlussflug von Chicago nach Milwaukee verpasst habe. “Alles kein Problem”, wurde uns (einem anderen Austauschschüler und mir) berichtet. “Ihr könnt einfach einen späteren Flieger nehmen”. Das haben wir dann auch gemacht, aber leider hieß später dann am nächsten Morgen um 6 Uhr, der andere Flug am Abend war nämlich überbucht und deshalb habe ich eine sehr kurze Nacht mit zwei Stunden Schlaf im Hotel verbracht. So anstrengend und übermüdend wie der vorherige Tag war, so entspannt war dann der letzte Flug von Chicago nach Milwaukee. Das Flugzeug war sehr klein, es gab nur einen Flugbegleiter und wir haben nie “Flughöhe” erreicht. Das Wetter war super schön – sonnig und wolkenlos - und ich konnte den Lake Michigan aus meinem Fenster sehen.

Im Gegensatz zu dem lauten und hektischen Flughafen in Chicago war der Flughafen in Milwaukee sehr ruhig und nachdem ich ein kleines Stück durch den Duty-free-Bereich gegangen bin, habe ich auch schon meine Gastfamilie gesehen. Meine drei Gastgeschwister Rachel, Naomi und Joshua haben Willkommensplakate gemalt und ich habe mich sehr darüber gefreut. Kaum waren wir zu Hause angekommen, haben mir meine drei Gastgeschwister das Haus und mein Zimmer gezeigt. Ich mag das Haus und vor allem mein Zimmer sehr gerne und habe mich gleich wohlgefühlt. Alle haben sich sehr über meine Gastgeschenke gefreut und das Braunschweig-Monopoly, die Eintracht Braunschweig-Tasse und das Backbuch werden oft benutzt. Die Schokolade war ganz schnell weg, ich glaube, da muss ich nochmal Nachschub aus Deutschland kommen lassen. Zum Mittagessen waren wir dann bei meinen Gastgroßeltern und dort habe ich dann auch gleich Auntie Erin und ihre Tochter Camille getroffen. Alle haben sich sehr gefreut mich kennenzulernen und ich habe ich gleich willkommen geheißen gefühlt. Zurück zu Hause gab es dann zur Feier des Tages eine Eiscreme-Torte und danach habe ich dann erstmal meine ganzen Koffer und Taschen ausgepackt und war dann auch froh ins Bett gehen zu können.

Die nächsten Tage hat mir meine Gastfamilie dann die Nachbarschaft und die Stadt gezeigt. Wir haben eine kleine Fahrradtour gemacht, wir waren in einem riesigen Supermarkt und sonntags waren wir auch in der Kirche. Die Kirche war relativ groß und es war ungewohnt viele der Gebete in Englisch anstatt in Deutsch zu hören. Für meine Gastgeschwister ging es ungefähr eine Woche vor mir wieder in die Schule, sodass wir die letzten Ferientage dazu genutzt haben Brettspiele zu spielen, aber auch die letzten Schulsachen einzukaufen. Ich bin sehr froh, dass es in meiner Stadt auch eine Bücherei gibt, Bücher von zu Hause mitzunehmen oder auch hier zu kaufen ist wegen des Koffergewichts nämlich nicht zu empfehlen.

Weil ich so gerne backe und koche habe ich mich sehr gefreut, dass meine Gastmutter auch so viel backt, wir auch viel Gemüse und Obst essen und wir zusammen kochen können. In Deutschland sind wir zahlreiche Brotsorten gewohnt, hier gibt es hauptsächlich Toastbrot. Aus diesem Grund bin ich sehr froh das Sauerteigbrot-Rezept mit aus Bortfeld gebracht zu haben, um nicht ein Jahr lang auf “echtes Brot” verzichten zu müssen. Also habe ich die letzten Wochen schon den Sauerteig angesetzt und dann gab es auch schon zweimal echtes deutsches Brot und es hat allen sehr gut geschmeckt, weil es nicht so fluffig und luftig war wie das Brot hier. Vorgestern gab es dann auch deutsche Pfannkuchen zum Frühstück, ich glaube die gibt es in Zukunft hier häufiger. Gleichzeitig habe ich jetzt aber auch neue US-amerikanische Rezepte, die ich auf jeden Fall mit nach Deutschland bringen möchte – ich glaube, bald muss ich mal ein Rezeptbuch anfangen. Meine absoluten Lieblingsrezepte sind Chocolate Chip Cookies, Banana Bread und Sugar Cookies. Die letzten Tage hat meine Gastmutter ganz viele von diesen Sugar-Cookies gebacken, weil wir vorgestern auf einer “Bridal Shower” eingeladen waren und wir als Geschenk Kekse in Brautkleid- und Tortenform mitgebracht haben. Mir hat die Feier sehr gut gefallen, weil ich viele Verwandte kennengelernt habe und ich freue mich schon sehr auf die Hochzeit im Oktober.

Meine Gastfamilie und ich machen viel zusammen und wir haben auch schon viele Ausflüge unternommen. Am zweiten Wochenende haben wir die Mutter meiner Gastmutter (also meine Gastoma) in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, besucht. Dort sind wir auf den Farmer’s Market gegangen und haben Brot, Gemüse, Obst, Käse und Blumen eingekauft. Unter anderem waren da dann auch 40 Pfund Tomaten dabei, die wir später zu Tomatensoße verkocht haben. Die verschiedenen Marktstände waren um das Kapitol von Madison aufgebaut, sodass ich auch die Chance hatte, das Kapitol in Madison von innen anzusehen.  Am Sonntag waren dann noch mehr Verwandte in Madison und deshalb sind wir alle zusammen in einem echten amerikanischen Diner essen gegangen.

Am Montag, den 31.08.15 konnte ich dann endlich meine Kurse wählen, bevor dann am nächsten Tag auch für mich die Schule losging. Meine Kurse sind für dieses Halbjahr: BFS (hauptsächlich Gewichtsheben. Ich war ein bisschen überrascht am Anfang, aber es wird mit jeder Stunde besser), Pre-Calculus (Mathe), Spanish III, Chemistry H, Environmental Science, English 11 H und Crime & Social Issues. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Kursen, auch wenn ich in den ersten Tagen oft bei meiner “Counselorin” war und meine Kurse angepasst oder geändert habe. Mit ein paar Verirrungen und kleineren Verspätungen habe ich mich dann auch am ersten Schultag gut zurecht gefunden, aber mittlerweile klappt das Wechseln von Raum zu Raum schon ganz ohne Probleme. Beim Mittagessen muss ich nicht alleine sitzen - schon am ersten Tag bin ich zu anderen Schülerinnen gegangen und habe gefragt, ob ich mich zu ihnen setzen kann. Am nächsten Wochenende ist Homecoming an meiner Schule. Das heißt, unser Football-Team spielt am kommenden Freitag gegen das Team einer anderen Schule und am Samstag ist dann der Homecoming-Dance. Dafür brauche ich noch ein Kleid und deshalb fahre ich heute mit zwei anderen Mädchen aus meinem Jahrgang in die Mall, um ein Kleid zu kaufen.

Sport wird hier sehr groß geschrieben und sehr viele Schüler und Schülerinnen sind entweder in einem Sportteam oder in einem anderen Schulclub. Ich habe mich dazu entschieden die verbleibende Herbstsaison Tennis zu spielen und ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Weil ich eine Austauschschülerin bin, muss ich auch nicht die Sportgebühr bezahlen und deshalb macht es auch nichts, dass ich viel später als alle anderen in der Saison angefangen habe. Alle in meinem Tennisteam sind sehr nett und wollen viel über mich und Deutschland erfahren. Wir hatten schon lange Gespräche über Deutschland und das Leben dort und viele haben sich gefreut, Fragen über Deutschland stellen zu können.

Das letzte Wochenende habe ich mit meiner Gastfamilie, meinen Gastgroßeltern und meiner Gastoma in Door County verbracht. Door County ist ungefähr 3 Stunden Autofahrt von hier entfernt, aber die Zeit verging wie im Flug, weil wir uns viel zu erzählen hatten. Am Freitagabend sind wir dann in unserem Ferienhaus angekommen und es war sehr schön und groß, wenn auch ziemlich abgelegen. Direkt vor der Haustür war ein See, natürlich war es viel zu kalt, um schwimmen zu gehen, aber wir haben versucht zu angeln – ohne Erfolg. Abends haben wir dann noch Karten und Pool gespielt und noch ein bisschen erzählt, bevor wir dann alle müde ins Bett gegangen sind. Am nächsten Morgen, den 12. September, bin ich aufgewacht und wurde gleich von meinen Gastgeschwistern mit Geburtstagskarten “begrüßt”, weil ich nämlich an dem Samstag in Door County meinen 16. Geburtstag gefeiert habe. Deswegen gab es auch French Toast zum Frühstück, alle haben für mich ein Geburtstagslied gesungen und ich hatte auch Kerzen, die ich dann auspusten musste. Den Samstag haben wir hauptsächlich damit verbracht Spiele zu spielen, zu angeln oder das viele leckere Geburtstagsessen zu essen. Nach selbstgemachter Pizza zum Abendbrot sind wir dann mit dem Auto in einen kleinen Ort gefahren, wo wir leckere Eiscreme gegessen haben. Danach habe ich dann Geburtstagsgeschenke ausgepackt und einen Geburtstagskuchen bekommen, der sehr lecker war und über den ich mich sehr gefreut habe.

Wie schon gesagt, ist nächstes Wochenende Homecoming und ich freue mich schon darauf dieses “Event” in einem US-amerikanischen High School-Jahr mitzuerleben. Ich hoffe in der nächsten Zeit noch mehr Leute kennenzulernen und vieles Neues auszuprobieren und kennenzulernen. Ich bin so glücklich hier sein zu können und fühle mich bei meiner Gastfamilie sehr wohl. Es ist, als wäre ich schon viel länger hier und es ist unglaublich wie schnell mein erster Monat hier vergangen ist.

 

1. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher

Ingrid Pahlmann MdB und Lilli HilscherIch bin Lilli, 15 Jahre alt, und werde dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms diesen Sommer für 10 Monate als „Juniorbotschafterin“ in die USA gehen.

Letztes Jahr kurz vor den Sommerferien war dieses Austauschjahr noch in weiter Ferne. Durch eine Broschüre des Bundestags bin ich auf das PPP-Stipendium aufmerksam geworden und habe dann von YFU (einer der großen Austauschorganisationen, die für dieses Stipendium mit dem Deutschen Bundestag zusammenarbeiten) die Bewerbungsunterlagen zugeschickt bekommen. Ein gutes halbes Jahr später und nach zahlreichen ausgefüllten Unterlagen, einem Auswahlgespräch und dem Treffen mit Frau Pahlmann bekam ich dann am 7. Februar 2015 die Zusage, dass ich als Repräsentantin Deutschlands für meinen Wahlkreis ab dem Sommer für ein knappes Jahr in einer amerikanischen Familie leben und eine High School besuchen werde. Ich habe mich sehr gefreut, dass dieser Traum wahr geworden ist und ich einen kleinen Teil zur Verständigung zwischen den beiden Ländern beitragen kann. Ich bin sehr gespannt auf dieses Jahr - tausende Kilometer entfernt von zu Hause - und auf die Eindrücke und Erfahrungen, die ich dort sammeln werde.

Um uns nicht einfach so ins „kalte Wasser“ zu werfen, wurde ich mit vielen anderen Austauschschülern vom 22.-28. März auf eine YFU-Vorbereitungstagung in Lauenburg eingeladen. Hier haben viele ehrenamtliche Teamer über ihre eigenen Auslandserfahrungen berichtet und in Kleingruppen mit uns Modelle und Situationen erarbeitet, die in unserem Austauschjahr wichtig sein könnten. Ich habe dort sehr viele nette neue Menschen kennen gelernt und fühle mich nun nach der Tagung deutlich besser vorbereitet als vorher.

Für viele der anderen Teilnehmer war diese die erste und letzte Vorbereitungstagung, aber im Mai fand für mich noch die PPP-Vorbereitungstagung in Berlin statt. Hier standen andere Themen im Mittelpunkt: Vor allem die deutsche und amerikanische Geschichte und die Politik der beiden Länder, um uns so noch besser auf unsere Rolle als „Botschafter“ vorzubereiten. Weil diese Tagungen so unterschiedlich waren, bin ich sehr froh, an beiden teilgenommen zu haben. In zahlreichen Referaten, Exkursionen und Gesprächen konnte ich mich immer besser auf mein Abenteuer vorbereiten und jetzt wird es auch immer greifbarer.

Nun sind es nur noch knapp zwei Monate bis zum Abflug und die Vorfreude steigt - gleichzeitig aber auch der Wunsch nach einer Gastfamilie. Ich habe meine Gastfamilie nämlich leider noch nicht, aber ich weiß, dass es noch vielen anderen Austauschschülern genauso geht wie mir und sich das ja auch jeden Tag ändern kann. Wenn ich dann auch noch bald mein Visum in den Händen halte und irgendwann mit gepacktem Koffern am Flughafen stehe, weiß ich, dass es jetzt wirklich losgeht und meine Reise in ein Jahr mit völlig anderer Kultur, neuen Menschen und lauter Überraschungen beginnt.

Von Ilsede nach Tennessee

Die 21 jährige Bankkauffrau Mandy Stietzel aus Ilsede nahm ab August 2013 am 30. Parlamentarischen Patenschaftsprogramm teil. Als Juniorbotschafterin konnte sie ein Jahr lang in den USA zunächst an einem College studieren und anschließend in einem Unternehmen arbeiten. Das Programm zielt vor allem auf die interkulturelle und persönliche Entwicklung der Teilnehmer. Über ihre ersten Erlebnisse und Eindrücke berichtete Mandy Stietzel im November: 

Mandy Stietzel

"Mein Name ist Mandy Stietzel, ich bin 21 Jahre alt und komme aus Ilsede. Ich habe bei der Volksbank Peine meine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und danach auch dort gearbeitet. Nach meiner Ausbildung habe ich am Wochenende mit der Weiterbildung zum Bank-Fachwirt begonnen. Es war das Wochenende vor einer meiner Fachwirtprüfung als der Nominierungs- umschlag im Briefkasten war.

Seit diesem Tag bin ich stolz Teilnehmerin des 30. Parlamentarischen Patenschafts  Programm zu sein. Im April gab es dann eine Schulungswoche in der wir einen detaillierten Einblick in alle wissenswerten Angelegenheiten (wie zum Beispiel Versicherung, Collegeleben) bekommen haben. In der Woche habe ich schon die anderen Teilnehmer kennen gelernt und seit dem konnte es keiner mehr erwarten dass es endlich los ging.

Und der 06.08.2013, der Tag unserer Abreise, kam schneller als gedacht. Vom Frankfurter Flughafen sind 75 aufgeregte Junior-Botschafter Richtung New York aufgebrochen. Die Tage in New York vergingen wie in Flug. Wir erhielten weiter wichtige Informationen, lernten den Rest vom Cultural Vista Team kennen und hatte die Möglichkeit uns zwischendurch die Stadt ein bisschen anzugucken. 

Meine Weiterreise zum Platzierungsort (Dyersburg, Tennessee) ging über Rapids City (Illinois) nach Indianapolis. In beiden Stätten habe ich jeweils vier Nächte bei wunderbaren Familien verbracht. Trotzdem habe ich mich dann sehr gefreut als ich endlich in Dyersburg angekommen war und meine Koffer komplett auspacken konnte.

Stietzel mit dem Gouverneur von Tennessee, Bill HaslamIch lebe hier bei einer ganz lieben Familie. Meine Gasteltern haben drei Söhne. Die Jungs studieren auswärts und wohnen nicht mehr zu Hause. Dafür wohnt die Freundin des jüngsten Sohns mit uns und so habe ich auch eine Gastschwester.

Hier angekommen ging es dann auch gleich richtig los. Die wichtigsten Sachen zu erst. Die Beantragung der Social Security Number, Klassen für das College auswählen, ein Konto einrichten und die Handykarte kaufen. Und die große Suche nach dem Auto. Ich habe einen kleinen gebrauchten Ford Explorer gefunden. Wobei die meisten ihn nicht klein nennen würden, er aber auf den amerikanischen Straßen auch nicht das größte ist was einem begegnet.

Ich besuche für das erste halbe Jahr das Dyersburg State Community College. Meine Kurse hier sind: American History, Accounting, Macroeconomics und ich besuche eine Speech Class. Nach meinem Unterreich arbeite ich im Learning Resource Center am helpdesk. Das LRC ist eine Bücherei, Tutor-Center und Anlaufpunkt für jegliche Fragen von Studenten zugleich.   Ich bin auch Mitglied im Media-Club. Im  Moment produzieren wir einen Kurzfilm, das Skript wurde von einem Studenten geschrieben. In der zweiten Hälfte meines Austauschjahres werde ich ein Praktikum in der First Citizen National Bank machen.

Ich habe mich schon gut eingelebt und hatte die Möglichkeit über meine Fall-Break eine andere Teilnehmenrin in Chicago zu besuchen. Auch mit dem Country Slang komm ich inzwischen gut klar und fange an die ersten Redewendungen in meine Sprache zu übernehmen."

© MdB Ingrid Pahlmann